3.2 Die Kosten-Rechnung: Wie viel Du pro Kilometer mit Eigenstrom sparst

Wer von einem Verbrenner auf ein Elektroauto umsteigt, tut dies oft aus ökologischer Überzeugung. Doch spätestens an der Ladestation rückt die Ökonomie in den Fokus. Während die Preise für Diesel und Benzin unberechenbar schwanken, bietet Dir die eigene Photovoltaikanlage eine Kalkulationsbasis, die kein Ölmulti schlagen kann. Aber wie viel sparst Du wirklich? In dieser Kosten-Rechnung ziehen wir Bilanz und vergleichen die Kosten pro Kilometer zwischen fossilen Brennstoffen, Netzstrom und Deinem eigenen Solarstrom.

Die Basis: Was kostet eine Kilowattstunde vom Dach?

Um die Ersparnis zu berechnen, müssen wir zuerst die Gestehungskosten Deines Solarstroms kennen. Das ist der Preis, den Dich eine Kilowattstunde (kWh) über die gesamte Laufzeit der Anlage kostet (Anschaffung, Wartung, Versicherung dividiert durch die erzeugte Strommenge).

Bei einer modern geplanten Anlage liegen diese Kosten heute meist zwischen 8 und 12 Cent pro kWh. Im Vergleich dazu kostet Strom aus dem öffentlichen Netz aktuell etwa 32 bis 40 Cent. Jede Kilowattstunde, die Du selbst produzierst und direkt in Dein Auto lädst, ist also bereits im Vergleich zum Hausstrom eine massive Ersparnis.

Der Vergleich: Verbrenner vs. Elektro (Netz) vs. Elektro (PV)

Schauen wir uns ein praxisnahes Beispiel an. Wir gehen von einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern pro Jahr aus.

  1. Der Verbrenner (Diesel/Benzin): Bei einem Durchschnittsverbrauch von 6 Litern und einem Preis von 1,75 € pro Liter zahlst Du ca. 10,50 € pro 100 Kilometer. Auf das Jahr gerechnet sind das 1.575 €.
  2. Elektroauto mit Netzstrom: Ein Mittelklasse-E-Auto verbraucht ca. 18 kWh auf 100 Kilometer. Bei einem Netzstrompreis von 35 Cent kosten 100 Kilometer etwa 6,30 €. Das Jahr schlägt mit 945 € zu Buche.
  3. Elektroauto mit PV-Überschuss: Nutzt Du konsequent Dein eigenes Kraftwerk (Gestehenskosten 10 Cent), kosten 100 Kilometer nur noch 1,80 €. Die jährlichen Treibstoffkosten sinken auf beeindruckende 270 €.

Die Differenz ist gewaltig: Mit Solarstrom fährst Du über 80 % günstiger als mit einem Verbrenner und sparst im Vergleich zum Laden mit Netzstrom immer noch rund 675 € pro Jahr.

Die versteckte Rendite: Opportunitätskosten beachten

Ein fairer Rechner muss auch die Opportunitätskosten einbeziehen. Wenn Du den Strom ins Auto lädst, kannst Du ihn nicht einspeisen und erhältst dafür keine Einspeisevergütung (ca. 8 Cent).

Faktisch „kostet“ Dich der Solarstrom im Auto also den Verzicht auf diese 8 Cent. Rechnen wir diese zu den Gestehungskosten hinzu, liegen wir bei etwa 18 Cent „echten“ Kosten. Selbst mit dieser strengen Kalkulation kosten 100 Kilometer nur 3,24 €. Die Ersparnis bleibt also massiv. Das E-Auto wird so zum größten Renditebeschleuniger Deiner PV-Anlage, da es den Wert jeder selbst erzeugten Kilowattstunde vervielfacht.

Faktoren, die Deine Ersparnis beeinflussen

Natürlich ist die 1,80-Euro-Rechnung ein Idealwert, der eine hohe solare Deckung voraussetzt. In der Realität beeinflussen drei Faktoren Deine Bilanz:

  • Die Ladeeffizienz: Wie wir in Wallbox-Planung: Was Deine Ladestation heute schon können muss besprochen haben, entscheiden technische Features wie die Phasenumschaltung darüber, wie viel Sonne Du wirklich einfängst.
  • Dein Fahrprofil: Wer tagsüber zu Hause laden kann, erreicht eine PV-Quote von fast 100 %. Pendler, die nur am Wochenende laden, müssen im Winter oft auf Netzstrom ausweichen.
  • Die Saisonalität: Im Dezember und Januar wirst Du kaum „für 0 Euro“ tanken können. Hier steigt der Mischpreis Deines Ladestroms kurzzeitig an.

Wartung und Steuer: Der Bonus obendrauf

Die Kosten-Rechnung pro Kilometer ist nur ein Teil der Wahrheit. Ein E-Auto, das mit Solarstrom betrieben wird, spart an weiteren Fronten:

  • Kfz-Steuer: E-Autos sind aktuell noch für mehrere Jahre von der Steuer befreit.
  • Wartungskosten: Kein Ölwechsel, keine Zündkerzen, weniger Bremsenverschleiß durch Rekuperation. Das spart im Schnitt weitere 30 bis 50 % bei den Werkstattkosten.
  • THG-Quote: Du kannst den eingesparten CO2-Ausstoß Deines Autos zertifizieren lassen und erhältst dafür jährlich eine Prämie (THG-Quote), was Deine Fahrkosten pro Kilometer rechnerisch weiter senkt.

Fazit: Mobilität wird zum Nebenprodukt der Sonne

Die Rechnung zeigt eindeutig: Die Kombination aus Photovoltaik und Elektromobilität ist ökonomisch unschlagbar. Während Autofahren früher eine der größten monatlichen Belastungen war, wird es mit einer klugen Strategie zum fast kostenlosen Nebenprodukt Deiner Stromerzeugung auf dem Dach.

Du investierst heute in die Hardware, um Dir für die nächsten Jahrzehnte die Freiheit von den Preissteigerungen der Energiekonzerne und Tankstellenbetreiber zu erkaufen. Die Amortisationszeit Deiner gesamten Anlage verkürzt sich durch jeden Kilometer, den Du mit Sonnenstrom fährst, um Monate.

Im nächsten Schritt gehen wir tiefer in die technische Umsetzung, um auch bei wenig Sonne das Maximum herauszuholen. Erfahre in Einphasig vs. Dreiphasig: Warum Dein Auto bei wenig Sonne manchmal streikt, wie Du Ladeabbrüche verhinderst und Deine solare Ausbeute optimierst.

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